Von der einen Demo zur nächsten Demo

Bei großartigem Wetter kamen heute – trotz sehr magerer Mobilisierung – etwa 300 Leutchen zusammen, um im Rahmen der Berlin on sale-Tage gegen Mediaspree und die fiese kommerzielle Ausbeutung der Stadt zu protestieren. Das Motto des Tages war: „Aus einer Mauer wurden 1000 Zäune.“ Denn überalle schießen Zäune aus dem Boden, um Grenzen zu markieren, um Leute auszugrenzen, um die kommerzielle Ausbeutung der Stadt möglich zu mschen. Es wurde nach anfänglich übereifrigem Bullereikontrollettieinsatz noch eine vergnügliche und einigermaßen kurzweilige Demo. (Bericht mit mehr Fotos bei Indymedia, Fotos bei Kietzmann, Videobericht von Forum der Nichtarbeit bei youtube)

9.10.2010 - 1000-Zäune-Demo am Oranienplatz

Denn obwohl die Einsatzleitung in den Vorgesprächen umfangreiche Vorkontrollen ausgeschlossen hatte, fanden diese wie selbstverständlich statt. Der Veranstalter musste energisch einschreiten und die Ordnungshüter zur Ordnung rufen – schließlich verstießen sie einwandfrei gegen gängige Rechtsprechung, die willkürliche Vorkontrollen ebenso verbietet wie wahllose Videoüberwachung von Demonstrationen. Nach einigem Hin und Her gab die Einsatzleitung auch klein bei, und die Kontrollen wurden eingestellt.

9.10.2010 - 1000-Zäune-Demo am Kotti 9.10.2010 - 1000-Zäune-Demo mit Berlin-on-Sale-Transpi

So zog die Demo dann, begleitet von Redebeiträgen, Sprechchören und Musik, vom Kottbusser Tor aus los. An der Ecke Adalbert/Oranienstraße gab es die erste Zwischenkundgebung mit einem Redebeitrag des Steigende Mieten stoppen!-Bündnisses, das eifrig Werbung machte für eine Reihe von Kiezspaziergängen in der zweiten Oktoberhälfte. Weiter ging es über den Oranienplatz und die Dresdner Straße zum Alfred-Döblin-Platz, wo die schicken Neubauten mit teuren Eigentumswohnungen in der letzten Zeit wie Pilze aus dem Boden schießen.

9.10.2010 - 1000-Zäune-Demo wird von der Köpi begrüßt 9.10.2010 - 1000-Zäune-Demo auf der Stralauer Allee

Am Engelbecken vorbei zog der vorne eher dunkelbunte, hinten eher wirklich bunte Haufen weiter zur Köpenicker Straße. Dort wurde vor der Hausnummer 40/41 über die Eisfabrik informiert, die trotz Denkmalschutzes von der bundeseigenen TLG Immobilien größtenteils abgerissen wird. Auch an der Köpi kam die Demo vorbei, die nun wieder demnächst zur Versteigerung stehen soll, aber immer noch gefährliches Risikokapital ist – wenn eines sicher ist, dann das! Die Demo jedenfalls zog weiter über Manteuffel-, Wrangel- und Skalitzer Straße, am Schlesischen Tor vorbei in die Schlesische Straße rein, und an der Ecke Falckensteinstraße gab es noch einen Redebeitrag zum Umsonstladen, der am letzten Wochenende nach einer Besetzung im ehemaligen Farben-Sachse-Laden dort eröffnet worden war.


Diese beiden Fotos: Copyright bei Kietzmann

Bei immernoch blendendem Sonnenschein überquerte die Demo die Oberbaumbrücke, rüber nach Friedrichshain, um dann gleich in die Stralauer Allee einzubiegen. Vor dem nahezu fertig gestellten Luxus-Design-Hotel „nhow“ war dann der Abschluss der Demo, bei dem auf die Eröffnung des Schuppens in einem guten Monat hingewiesen wurde. Und darauf, dass es eine krasse Dreistigkeit sondegleichen ist, auf das Bürger_innenbegehren „Spreeufer für alle“ mit einem dermaßen exklusiven Bau direkt am Spreeufer zu reagieren.

Weil wir das nicht auf uns sitzen lassen wollen und jeder Bau, der die Öffentlichkeit der Spreeufer mit Füßen tritt, einen ebensolchen saftigen Tritt verdient, gibt es demnächst auch ein erstes offenes Vorbereitunsgtreffen für einen gebührenden Empfang des nhow-Hotels, wenn es mal wieder heißt: Wir sind alle eingeladen! – ihr kennt das sicherlich noch von den großartigen Straßenfeierlichkeiten zur Eröffnung der O2-Halle vor zwei Jahren…

Montag, 18. Oktober 19:30 Uhr in der NewYorck im Bethanien