Aus einer Mauer wurden tausend Zäune.

Im Rahmen der Herbstaktionstage Berlin on Sale – nicht mit uns!
Berlin on sale - nicht mit uns!

9. Oktober // 16 Uhr // ab Kottbusser Tor

Demonstration für eine Stadt für alle.

Es ist unübersehbar: Im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg sind die Mieten bei Neuvermietung so hoch wie in keinem anderen Berliner Bezirk, und Menschen mit geringem Einkommen werden aus innerstädtischen Lagen verdrängt. Wer heute noch mit einem günstigen Mietvertrag ausgestattet ist, bei dem oder der kann schon morgen ein Schreiben der Vermieter_innen im Briefkasten liegen: Mieterhöhung, Luxussanierung, Umwandlung in Eigentumswohnungen – der Druck wächst und die Politik schaut zu und schafft die Strukuren, innerhalb derer sich der Immobilienmarkt derart frei entfalten darf.

Ein Beispiel für die Verantwortung der Politik sind die zahlreichen Privatisierungen, wie etwa die damals knapp 70.000 Wohnungen der bis 2003 noch stadteigenen Wohnungsbaugesellschaft GSW. An deren Anteilseigner wurden allein im Jahr 2009 ca. 400 Mio. Euro Dividende ausgeschüttet – Geld, das die Mieter_innen sicher gerne für andere Dinge ausgegeben hätten.

Mediaspree – Symbol eines Herrschaftsprojekts oder Symbol sozialen Widerstands?

Ein weiteres Beispiel für den antisozialen Kurs der Politik ist das 2008 von den Bewohner_innen Friedrichshain-Kreuzbergs mit 87% der Stimmen abgewählte Projekt Mediaspree. Statt dem ausdrücklichen Willen der Anwohner_innen nachzukommen, hatte es lediglich einige kosmetische Korrekturen im Spreeraum gegeben und der bezirkliche Sonderausschuss war am Ende nichts anderes als ein wohl inszenierter Hinhalte-Zirkus, auf den leider auch ein Teil des Initiativkreises „Mediaspree Versenken!“ hereinfiel. Heute sehen wir an den rasant steigenden Mieten und an weiteren auf den Weg gebrachten Privatisierungen am Spreeufer, dass leider noch nichts versenkt worden ist. Investor_innen werden hofiert, während Anwohner_innen in den immer exklusiveren Räumen nicht eingeplant sind. Berlin soll eine Großstadt „wie jede andere“ werden: mit teuren Mieten, hippen Ausgehmeilen und feschen Galerien, gern auch etwas alternativem Charme, jedoch ohne sogenannte perspektivlose Jugendliche, Hartz4-Empfänger_innen, Obdachlose Punks, autonome Aktivist_innen, arme Rentner_innen, Flüchtlinge oder Geringverdiener_innen. Nur das, was ökonomisch verwertbar ist, ist gewollt.

Demonstrationskonzept

Es gab schon viele Aktionen und Aktionsformen gegen Mediaspree und wir denken, dass aus dem Herrschaftsprojekt Mediaspree ein Symbol kontinuierlichen Widerstands werden kann. Deshalb gehen wir wieder auf die Straße und machen eine Demo, auf der wir uns gemeinsam anschauen, was um uns herum passiert. Dabei möchten wir mit anderen Anwohner_innen ins Gespräch kommen, Flyer in die Briefkästen werfen und Leute einladen, ihre eigene Situation über ein offenes Mikrofon darzustellen. Wir werden Neubaulofts besuchen und an die Spreeufer gehen und dort sehen, dass immer mehr Grundstücke mit Nato- und Stacheldraht abgesichert werden. Wir hoffen, dass möglichst viele Menschen kleine Zaunstücke mit auf die Demonstration bringen und hochhalten. Denn zum Ende der Demonstration, beim nhow-Hotel, das einen Monat später eröffnet werden soll, wollen wir ein Kunstwerk aus den Zaunteilen bauen und als Mahnmal vor dem Hotel aufstellen. Denn Zäune sind ein Symbol dafür, wie uns die Stadt weggenommen wird. Dem setzen wir unsere Symbolik der rückgebauten Zäune entgegen.

Wir wollen mit dieser Demo und Aktion die Ansage machen, dass wir wieder da sein werden bei der Hotel-Eröffnung einen Monat später. Es ist an der Zeit Investor_innen und Politiker_innen regelmäßig unter Druck zu setzen, leerstehende Gelände zugänglich zu machen und Alternativen am Spreeufer aufzubauen. Gehen wir also gemeinsam auf die Straße. Denken wir vorher darüber nach, wie wir am Rande mit Anwohner_innen ins Gespräch kommen, seien wir kreativ und vergessen wir nicht, uns rechtzeitig um Zaunteile zu kümmern.

Auftakt: Samstag, der 9. Oktober 16 Uhr am Kottbusser Tor
Abschluss: nhow-Hotel, Stralauer Allee 3 (Nähe Oberbaumbrücke)


1 Antwort auf „Aus einer Mauer wurden tausend Zäune.“


  1. 1 bär 16. Oktober 2010 um 19:47 Uhr

    Könnt ihr nicht mal aufhören, auf den Leuten rumzuhacken, die sich im Sonderausschuss Spreeraum wacker geschlagen haben und damit eher Mediaspree aufgehalten haben, als den Protest? Den gab es ja auch parallel, z.B. die 8000-Leute-Megaspree-Demo 2009. Ohne den Bürgerentscheid und den anschließenden Prozess wäre das Thema nie so aufgekommen bzw. längst besiegelt. Kiezdemos allein würden Mediaspree nur ein Schmunzeln entlocken… Nur gemeinsam ist man stark!

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