Die Freiheit der Investoren ist nicht die Freiheit die wir meinen

So, nun isses raus – der Baukonzern Hochtief hat sein nächstes Media­spree-Bauprojekt angekündigt: Ein Büroklotz im Osthafen soll es sein, gleich neben dem noch nicht ganz fertig gestellten „nhow“-Luxushotel. Das neue Projekt hört auf den eher peinlichen Namen „Berlins Große Freiheit - work life balance offices“.

Dabei stehen zur Zeit etwas 1,6 Mio. Quadratmeter Büroflächen leer in Berlin, und es wird berichtet, Unternehmen bezögen neue Flächen höchstens, um den Laden angesichts der Wirtschaftskrise zu verkleinern. Will Hochtief die Unternehmen etwa mit einer schicken Aussicht aufs Wasser locken, damit das Downsizing sich als Imagegewinn verkaufen lässt?

Und dann dieser Claim: „work life ballance“ – ein Arbeitsort, an dem sich die untoten Karrierestreber ein bisschen lebendig fühlen können, auch wenn massive Überstunden, die man selbstverständlich in Aufopferung für den Betrieb auf sich zu nehmen hat, das Leben zum Grauen machen? Der alte Spruch: Arbeit macht das Leben aus.

Aber auch schön: Haben wir im Herbst gleich zwei Anlässe, wieder in den Osthafen zu mobilisieren, und können mit lautstarkem Widerspruch gegen die Eröffnung des perfiden Luxushotels auch gleich den Widerstand gegen ein weiteres Neubau-Investorenprojekt eröffnen.

Aber es sei daran erinnert: Ein angekündigtes Vorhaben heißt noch lange nicht, dass auch wirklich gebaut wird. Das gesamte Projekt Mediaspree wimmelte Zeit seines Lebens vor lauter lebender Leichen, Baupläne, die viel Jahre lang herumgereicht wurden, aber doch nie die Schublade verließen. Ausgerechnet die Börsenzeitung schrieb kürzlich:

Großen Baukonzernen drohen magere Zeiten. Nirgendwo in Europa gibt es aktuell Anzeichen, dass es wieder zu spekulativen Neubauprojekten von Büroimmobilien kommt, resümiert Jan Linsin, Head of Research bei CB Richard Ellis (CBRE) in Deutschland, die momentane Lage in den großen europäischen Bürometropolen


3 Antworten auf „Die Freiheit der Investoren ist nicht die Freiheit die wir meinen“


  1. 1 DJ Tüddel 19. August 2010 um 13:52 Uhr
  2. 2 Libero 05. September 2010 um 14:45 Uhr

    Von wegen Freiheit: Da war doch was vom guten alten Georg Kreisler:
    Meine Freiheit, Deine Freiheit

  1. 1 Tour durch Privatisierung und Umstrukturierung « Berlin von unten! Aktionstag 18. September Pingback am 18. September 2011 um 4:15 Uhr
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