Stadtklima retten – Mediaspree versenken

Angesichts der überaus heißen Sommertage knöpft sich die Taz das Thema Klimawandel und Stadtklima vor. Der Klimawandel wird voraussichtlich zu einer deutlich erhöhten Temperatur in Großstädten führen, auch in Berlin. Gerade im Sommer können heiße Tage dann unerträglich werden. Dieses Problem wird noch durch die Stadtentwicklungspolitik des Senats verschärft, Freiräume in Innenstadtnähe aus Profitgründen zuzubauen.

Diese Freiräume werden aber nicht nur gebraucht, damit die Anwohner_innen wohl fühlen und dort nach Lust und Laune austoben können, sondern auch um der Stadt im Hochsommer Abkühlung zu ermöglichen. So ist gerade die Spree eine wichtige Kaltluftschneise, die nachts kühle Frischluft in die Stadt hinein bringt. Durch die Bebauung der Spreeufer geht diese Wirkung aber verloren.

Ein „Stadtentwicklungsplan Klima“, den Junge-Reyers Senatsverwaltung seit Jahren ankündigt, wird aber offenbar nicht vorangetrieben. Vielleicht, weil eine ernstgemeinte Umsetzung den Verzicht auf heißgeliebte Investorenpläne bedeutete?


Umweltverbände drängen darauf, dass der Plan ein starkes Instrument wird. „Es muss damit möglich sein, Flächen freizuhalten, notfalls auch gegen Investorendruck“, sagt Lohner [vom BUND]. Ein Beispiel dafür nennt Franziska Eichstädt-Bohlig, stadtentwicklungspolitische Sprecherin der Grünen: das Spreeufer. „Mediaspree müsste eine breitere Frischluftschneise entlang der Spree werden“, fordert sie. Solche Schneisen helfen bei Hitze, die Stadt zu durchlüften. Derzeit würden die Grundstücke am Spreeufer ausschließlich unter dem Aspekt der Bodenverwertung betrachtet, nicht unter dem Aspekt der klimatischen Bedeutung, kritisiert Eichstädt-Bohlig.

Was in der Taz nicht steht: Das Thema Stadtklima ist bereits am 20. Mai im Berliner Abgeordnetenhaus durchgekaut worden. Beim RBB finden sich die verschiedenen Reden und ein Link zu einer Beschlussvorlage (pdf) des rot-roten Senats, dass der Stadtentwicklungsplan Klima erstellt werden solle. Die Reden sind voller unkonkreten Blablas, man müsse sich jetzt mal kümmern. Die Hinweise auf Mediaspree und auf die Grünflächenvernichtungsmaschine A100 fallen daher positiv auf. Nur sollte Frau Eichstädt-Bohlig dies vielleicht auch mal ihrem Kollegen Franz Schulz vermitteln, der bei der Eröffnung von Labels2 geradezu glücklich über diesen Baustein zum Zubetonieren der Spreeufer war und freudig mitteilte, Mediaspree komme nun endlich voran.