Am 18. Juni: Spreeufer-Privatisierung per Auktion

Die ehemalige Seifenfabrik in der Köpenicker Straße 50-52, die bunt bemalte Gründerzeit-Ruine mit dem hohen Industrieschornstein unweit der Michaelbrücke, soll am 18. Juni versteigert werden. Das ganze findet ab 14 Uhr statt im „abba Berlin Hotel“ in der Lietzenburger Straße 89 Höhe Knesebeckstraße, unweit des Kudamms. Uhlandstraße ist der nächste U-Bahnhof.

Das Grundstück ist eines von vielen aus Berlin, Brandenburg und Leipzig, 47 genauer gesagt, die an diesem Tag unter den Hammer kommen. Die Beschreibung des Objekts findet sich im Auktionskatalog (PDF, 8 MB) auf den Seiten 14/15. Zum Grundstück gehört auch ein Teil direkt an der Köpenicker Straße, dort wo der Allam Gebrauchtwagenhandel drauf ist (aber nur die Hälfte davon, die sind auch auf der Nr. 53), sowie die schmale Zufahrt nach hinten, die auch zum Kiki Blofeld führt.

Im Auktionskatalog steht: „Die Auktionen sind öffentlich, der Zutritt ist gewährleistet, das Hausrecht liegt aber ausschließlich bei den Auktionatoren, die auch von Fall zu Fall über die Teilnahme von Bietern an der Auktion entscheiden können.“

Das Mindestgebot liegt bei 2,5 Mio. Euro. Das wird vermutlich die ungefähre Hälfte vom Bodenrichtwert sein, der von einem Gutachterausschuss aus dem Verkauf von Grundstücken der Nachbarschaft in den letzten Jahren errechnet wird. Das heißt der vermutete Verkaufswert wird irgendwo bei 5 Mio. Euro liegen, was bei einer Grundstücksfläche von 4.610qm einen nicht unrealistischen Quadratmeterpreis von etwas über 1.000 Euro ergibt.

Die Frage ist also, ob wir da was machen wollen. Kundgebung davor? Leute, die reingehen? Wahrscheinlich muss mensch sich ein bisschen schick (und vor allem: unauffällig) machen, um überhaupt reinzukommen. Einerseits wäre es gut, mitzubekommen, wieviel Interesse zu welchen Preisen von was für Leuten an dem Grundstück besteht. Andererseits könnten wir die Chance nutzen, den Möchtergern-Käufer_innen deutlich zu machen, dass sie weiterhin mit Widerstand gegenüber fiesen Bauvorhaben zu rechnen haben.

Wem gehört das Grundstück heute noch?

Die Versteigerung des Grundstücks findet im Auftrag der GESA Gesellschaft zur Entwicklung und Sanierung von Altstandorten mbH statt. Die GESA ist eine „Geschäftsbesorgerin“ bundeseigener Gesellschaften, in diesem Fall der Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben (BvS) und der Treuhandanstalt / TLG Immobilien.

Wir haben es also nicht mit einer Versteigerung wegen Geschäftspleite zu tun, sondern mit einer weiteren „ordnungsgemäßen“ Privatisierung öffentlichen Besitzes! Hier wird dies nicht eigenhändig von der TLG Immobilien durchgeführt, sondern von einem Subunternehmen der BvS, das wiederum das Auktionshaus „Deutsche Grundstücksauktionen AG“ beauftragt hat. Die oberste Verantwortung liegt damit, wie bei der TLG, beim Bundesfinanzministerium.

Alles in allem genügend Gründe, eine Kundgebung vorm Auktionshaus durchzuführen, oder? Wie wäre es, am Freitag bei der Mediaspree entern!-Nachbereitung und am Montag bei Mediaspree versenken! dazu mal die Köpfe zusammen zu stecken und Pläne zu schmieden?


5 Antworten auf „Am 18. Juni: Spreeufer-Privatisierung per Auktion“


  1. 1 DJ Tüddel 11. Juni 2010 um 13:40 Uhr

    Naja, möglich wäre ja auch, dass eine Rückübertragung an Alteigentümer-Erben stattgefunden hat und diese nun versteigern lassen… Dann wäre die Privatisierung schon Geschichte.

  2. 2 Herrjemineh 25. Juni 2010 um 17:58 Uhr

    Seit gestern, 24.6.2010, ist ein Bagger dabei, die brache Fläche des Grundstücks „sauberzumachen“. Mehrere große Bäume mußten bereits dran glauben, sie wurden einfach umgerissen. Der neue Eigentümer scheints eilig zu haben – time is money. Fällgenehmigungen scheinen schnell ausgestellt zu werden- oder gibt es gar keine?

  3. 3 entern 03. Juli 2010 um 23:34 Uhr

    Wir glauben, bei den Baumfällarbeiten, von denen Herrjemineh berichtet, handelt es sich um das Nachbargrundstück. Dort will der Baukonzern HochTief den Sitz einiger seiner Unternehmen hinsetzen, nachdem er 10 Jahre lang keinen anderen Interessenten für das Grundstück gefunden hat. Seit ein paar Wochen wüten dort nun die Bagger und bereiten den Baugrund vor – inklusive Fällung einer Menge Bäume.

    Auf dem Grundstück der Seifenfabrik dagegen stehen unseres Wissens gar keine richtigen Bäume.

  4. 4 Rafael 26. Oktober 2010 um 20:10 Uhr

    ich bin Rafael García, aus Spanien. In Winter und Sommersemester 2008-2009 habe ich in Berlin als ich bin Rafael García, aus Spanien. In Winter und Sommersemester 2008-2009 habe ich in Berlin als Austauschstudent Architektur studiert.
    Dieses Semester werde ich mit meiner Diplomarbeit anfangen. Meine Abschlussarbeit handelt ueber Berlin, über „Media spree konflikt“. Ich bin dafür Mediaspree zu wersenken, und ich möchte gern eine angemessene Lösung entwickeln.
    Es gibt zwei alte Industrie gebäude in Köpenicker Straße 40-41 und 50 dass ich renovieren möchte: eine Eisfabrik und eine Seifefabrik. Ich habe schon der Grundriss von den eisfabrik, aber noch nicht von der Seifefabrik. Es wäre für mich sehr hilfsreich, wenn ich Grundrisse und Infos über diese Gebäude haben könnte. weiss Jemand wie? vielen Dank!

  1. 1 Tour durch Privatisierung und Umstrukturierung « Berlin von unten! Aktionstag 18. September Pingback am 18. September 2011 um 4:22 Uhr
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