Ordnung muss sein?!?

Mittwoch mittag, Cuvrystraße: Ein großartiger Sommertag, die Spatzen baden im Sand, manche_r lässt Beine und Seele an der Wasserkante baumeln. Nur vier müssen Schwerstarbeit leisten, die Bauzaunbauer von Finow, die schwitzen in ihren grellorangen Arbeitsklamotten.

Sie stellen nach und nach den am Mediaspree entern!-Aktionstag eingerissenen Bretterzaun wieder auf, der die Fläche schön privat halten soll. Das ist gar nicht mal so einfach, der Zaun ist störrig, wehrt sich geradezu, wieder in die Vertikale bewegt zu werden. Er verkantet und verbiegt sich, muss übel zurechtgekloppt werden, und die zentimeterdicken Schichten von Plakaten machen das Ganze auch nicht einfacher.

Dienstag, Mittwoch, Donnerstag: Rund drei Arbeitstage brauchen die vier Bauzaunbauer, um die Landmarke des privaten Eigentums wieder aufzurichten, der ausschließlichen Verfügung durch die IVG Immobilien Geltung zu verschaffen.

Fragt sich nur, was die Kreuzberger_innen davon halten, dass sie sich nun wieder verschämt Löcher suchen sollen, um auf die Freifläche zu kommen, sie für etwas zu nutzen, was eigentlich nicht vorgesehen, aber vielen Anwohner_innen lieb & teuer ist, und den zufällig vorbei stromernden eine willkommene Abwechslung: Eine Fläche, befreit von eindeutigen Benutzungsregeln, die sich einfach nur anbietet, frei von der Hektik der Großstadt drum herum. Wie es wohl wäre, wenn die Fläche ganz regulär dafür da wäre, ohne Zaunklettern und Löcherschlüpfen?

Bleibt es also spannend, ob die Kreuzberger_innen dies, die neue Errichtung privater Mauern, womöglich als Herausforderung annehmen könnten. Lasst uns Wetten abschließen: Wie oft kommen die Bauzaunbauer, um den Zaun immer wieder aufzurichten, bevor sie es einfach lassen?

Und vielleicht hilft der Zaun ja auch ein bisschen mit, jetzt wo er bereits das Liegen schätzen gelernt hat…