Kollektive Besichtigung von Grundstücken in der Aktionsphase

Ein Teil der Ideen für die Aktionsphase wurde innerhalb des Bündnisses Mediaspree entern! vorbereitet. Dazu gehört das Ziel, vier ausgewählte Mediaspree-Projekte gemeinsam aufzusuchen und dort andere Visionen eines Spreeufer für alle deutlich zu machen. Auf unserem Kartenmaterial sind diese vier Grundstücke mit den Nummern 01 bis 04 gekennzeichnet. In einem Indymedia-Artikel wurden die Vorstellungen, was dort geschehen könnte, bereits beschrieben, und daraus zitieren wir der Einfachheit halber einfach mal weiter unten. Ansonsten wird es natürlich auch einige oder noch mehr vorbereitete oder auch spontane Aktionen geben, von denen auch wir noch nichts wissen. Wir dürfen also gespannt sein. Aber nun zum Indy-Artikel:

Zentraler Teil der Aktionsphase wird sein, dass größere Gruppen einige Grundstücke im Mediaspree-Gebiet besichtigen, um dort Ideen zu entwickeln, wie ein Spreeufer für alle möglich ist. „Ohne Privatisierungen, Kommerzialisierungen und steigende Mieten in den angrenzenden Kiezen“, wie Daniel [vom Mediaspree entern!-Bündnis] sagt. „Bestenfalls beginnen wir auch schon mit der Gestaltung und haben Baumaterial, Pflanzen, Farbe und gute Laune dabei. An Mediaspree sind viele Einzelprojekte beteiligt, die es sicher alle verdient haben, theoretisch und praktisch unserer Kritik unterworfen zu werden.“ Für den 5. Juni hat sich das Bündnis vier beispielhafte Grundstücke für Aktionen ausgesucht, um gegen die unsoziale Stadtentwicklung zu protestieren:

  1. Das ehemalige Dämmissol-Gelände an der Köpenicker Straße neben der Schillingbrücke soll dieses Jahr privatisiert werden. Auf der Fläche, die 30% des Kreuzberger Spreeufers umfasst, gibt es gerade verschiedene Zwischennutzer_innen der Lagerhallen, ein großer Teil liegt brach. Am Streit über dieses Grundstück zerbrach der bezirkliche Sonderausschuss Spreeraum. „Lasst uns dorthin gehen und bleiben“, sagt Maria, „als Signal, dass wir eine Privatisierung ablehnen und das Spreeufer selbermachen werden!“
  2. Das Gelände der ehemaligen Eisfabrik (schräg gegenüber von der Köpi): Die Kühlhäuser stehen trotz Denkmalschutz vor dem Abriss und das Gelände, das der dem Bundesfinanzministerium unterstellten Treuhandgesellschaft TLG (Sitz am Alexanderplatz) gehört, soll mittelfristig privatisiert werden – als weiterer Mediaspree-Baustein. Anwohner_innen der angrenzenden und ebenfalls der TLG Immobilien gehörenden Häuser werden von der TLG schikaniert, um sie aus den Wohnungen zu vergraulen. „Lasst uns diesem Schauspiel ein Ende setzen“, ruft Daniel auf, „und weitere Abrissarbeiten sowie eine Privatisierung verhindern!“
  3. Die Brache Cuvry- Ecke Schlesische Straße (IVG Immobilien): Dies ist eine der letzten großen Freiflächen an der Spree, die auch viele Leute, z.B. zum Grillen, nutzen. Hier soll ein riesiger Klotz mit 36.000 m² kommerzieller Nutzfläche hin, der nicht nur die beliebte Streetart an der Brandwand überdecken, sondern dem Wrangelkiez einen weiteren Aufwertungsschub geben würde, sodass es hier bald aussähe wie am Hackeschen Markt. Das „Mediaspree entern!“-Bündnis ruft hier dazu auf, deutlich zu machen, „dass wir hier eine Grünfläche erhalten möchten: Mit all unserer Kreativität, mit kleinen selbstorganisierten Gärten, Grillstellen, Graffiti-Wänden, als Treffpunkt für Anwohner_innen!“
  4. Die Baustelle des nhow-Hotels (neben Universal und MTV): Dieses Jahr wird hier das 4-Sterne-plus-Flagship-Hotel der Nippon Development Corporation Real Estate Management fertiggestellt. Aktuell scheint es, als würde das Mediaspree-Gebiet immer stärker zum Luxus-Hotel-Standort kombiniert mit teurem Wohnen werden, berichtet Daniel vom MS-entern-Bündnis. „Dem werden wir entgegen treten und auf die Baustelle gehen, unter dem Motto: Luxus? Dann bitte für alle!“ Das nhow-Hotel eigne sich, durch regelmäßige Protest-Aktionen zum symbolischen Pleite-Objekt zu werden, meint Daniel: „Nehmen wir den Aktionstag als Auftakt für eine Kampagne, die verdeutlicht, dass die Hotel-Pläne ohne uns gemacht wurden!“ Auf der Baustelle gibt es eine Webcam, die den Baufortschritt im Internet zeigt.

Möglicherweise wird die Berliner Polizei auf Weisung der politisch Verantwortlichen verhindern wollen, dass die Bewohner_innen dieser Stadt den Anspruch erheben, selbst darüber zu entscheiden, wie sie leben und die Stadt gestalten wollen. „Es wäre natürlich schön, würden die Beamt_innen solche antidemokratischen Befehle verweigern, wünscht sich Irmgard, „doch die Erfahrung zeigt, dass Polizist_innen oft eigenartig unflexibel sind.“ Deshalb sollten sich alle, die am Aktionstag aktiv werden wollen, darauf vorbereiten, an der ein oder anderen Stelle über eine Mauer oder einen Zaun hüpfen zu müssen, kleinere Haken zu schlagen, um wendigen Schrittes an Polizeiketten vorbeizukommen und mit Schlauchbooten oder auf Luftmatratzen von der Spree aus auf die Grundstücke zu gelangen, die ihnen besonders am Herzen liegen. Es gelte, „sich nicht provozieren zu lassen und zivilen Ungehorsam zu praktizieren“, ergänzt Daniel.Wenn möglich, sollten Karten mitgenommen werden. Am besten seien die Leute in Kleingruppen unterwegs. In den Kleingruppen kann beschlossen werden, auf welches Grundstück mensch gerne gehen möchte, Wege dorthin suchen und sich dann zu größeren Gruppen zusammen finden. Am besten kenne mensch schon die diversen Mediaspree-Schweinereien in der Umgebung, sodass, falls der Senat zu viele seiner Schlägertrupps auf den auserwählten Grundstücke befehligt, klar sei, wo es Alternativen in der Umgebung gebe, denen dann statt dessen ein Besuch abgestattet werden kann. Tipps für die Organisierung in Kleingruppen könnt ihr im Bezugsgruppenreader finden.