Demo gegen Abriss der Eisfabrik

Da war doch was gewesen: Letzten Freitag nämlich eine der längsten Demos der Welt: von der Eisfabrik in der Köpenicker Straße 40/41 über den Bona-Peiser-Weg an Verdi vorbei (Blick auf das sagenhafte fünf bis zehn Meter breite Spreeufer dort) bis zur Schillingbrücke (Blick auf das abgesperrte Spreeufer vorm Ibis-Hotel). Laut Google.Maps satte 450 Meter!

Nein, im Ernst: Es war um den bevorstehenden Abriss der Kühlhäuser der Eisfabrik gegangen. Die stehen als älteste ihrer Art zwar immer noch unter Denkmalschutz, dürfen aber trotz zerstört werden. Die Mieter/innen im Vorderhaus befürchten aber auch, dass die TLG Immobilien als Eigentümerin Platz schaffen will für irgendein fieses Büroglaspalast-Neubauvorhaben. Das würde nicht nur die Aussicht vermiesen, sondern auch das Interesse der Eigentümer verstärken, die Mieter/innen raus zu ekeln und die Wohnungen in teures Eigentum umzuwandeln.

In der Morgenpost, die auch allerhand Blödsinn zusammenschreibt (Herr Bolle habe hier einmal eine Meierei gehabt) wurde Gerhard Spangenberg zitiert, Architekt der Treptowers sowie des Radialsystems auf der anderen Spreeseite und Initiator des Vorhabens der Telamon GmbH, Maschinen- und Kesselhaus der Eisfabrik in eine Kunsthalle umzubauen:

Der Zustand der Bauten ist für den Architekt kein Zufall. „Man kann schon den Eindruck gewinnen, dass die TLG die Anlage hat verkommen lassen.“ Als Architekt des gegenüberliegenden, von ihm ausgebauten Radialsystems V, weiß Spangenberg sehr gut, welches Potenzial in solchen Industrieanlagen steckt. „Die Bausubstanz des Radialsystems war vor unseren Sanierungsarbeiten weitaus schlechter als die der Kühlhäuser. Die kann man durchaus sanieren.“

Für Spreeufer- und Mediaspree-Bewegte würde der Abriss einen weiteren Schritt in Richtung eines entlang von Entwickler- und Investoreninteressen gestalteten Spreeufers bedeuten. Die bauliche „Aufwertung“ droht in der Umgebung eine preisliche Aufwertung hinter sich her zu ziehen, die wiederum den einkommensschwachen Bewohner/innen und den kleinen Gewerbetreiben ein Grauen ist. Aber auch Kunsthallen-Pläne dürften in Sachen Aufwertung nicht ohne sein…

Die Treuhand war 1990 schon ganz großer Mist, und die TLG ist es heute noch. Es wird Zeit, die Spreeufer den Immobilienfritzen zu entreißen und im Interesse der Anwohner/innen zu gestalten!

Alle Fotos: Mikael Zellmann (vielen Dank!) – zu sehen gibt es sie und weitere von der Demo auf seiner Flickr-Seite.


1 Antwort auf „Demo gegen Abriss der Eisfabrik“


  1. 1 DJ Tüddel 13. Mai 2010 um 19:41 Uhr

    Noch ein paar Infos nachgereicht: Der Abriss war in der Morgenpost zwar schon für Anfang dieser Woche angekündigt worden, doch bislang steht nach Auskunft der BewohnerInnen noch alles auf dem Grundstück, was hin gehört.

    Außerdem habe ich zwei Abbildungen gefunden, die zeigen, was die TLG mal auf dem Grundstück der Eisfabrik vor hatte, also bevor sie den kleineren Teil am Spreeufer an die Telemon verkaufte: Mit Ausnahme des halben Vorderhauses, das modernisiert werden sollte, waren also alle Teile der Eisfabrik zum Abriss vorgesehen, trotz Denkmalschutz, auch Maschinen- und Kesselhaus. Das obere Bild ist tatsächlich immer noch in der aktuellen „Referenzbroschüre Niederlassung Berlin/Brandenburg“ der TLG drin (PDF, 5 MB).

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